Taxi fahren in Asien oder das Testament
Im Allgemeinen wird ein Taxi samt dem dazugehörigen Fahrer dazu verwendet, um von einem Ort A zu einem Ort B zu gelangen. Dies läuft in der Regel auch immer nach dem gleichen Schema F ab: einsteigen, chauffiert werden, bezahlen und wieder aussteigen! Kurzum: einfach, banal, nicht der Rede wert!
Dieses Prozedere mit der Tendenz zur Langeweile wird aber in manchen asiatischen Ländern von erhöhtem Pulsschlag und der exorbitanten Ausschüttung von Adrenalin begleitet. Von Langeweile keine Spur!
In der allgegenwärtigen Rush-hour in Bangkok und dem unübersichtlichen Gewühl aus Autos und LKWs wünscht sich der gequält grinsende Fahrgast eines Tuk tuks (Motorradrikscha), er hätte die Atemschutzausrüstung aus Platzgründen NICHT zu Hause gelassen. Insbesonders, wenn sich eben jenes Tuk tuk wieder mal ein Wettrennen mit dem plötzlich überdimensioniert erscheinenden, eines auf Augenhöhe liegenden LKW-Auspuffs liefert.
Ebenso wünscht der Fahrgast sich beim Anblick eines bedrohlich näherkommenden LKW-Reifens den Versicherungsvertreter wieder herbei, den er Tage zuvor noch brüsk an der heimischen Haustür abserviert hat und möchte ihm nun entgegenschreien: “Wo darf ich die Police für die Lebensversicherung unterschreiben? Aber schnell!”
In Korea gibt es erst seit relativ kurzer Zeit Adressen im westlichen Sinn mit der Angabe des Straßennamens und der Hausnummer. Früher wurden koreanische Städte in Blöcke unterteilt, die wiederum in kleinere und noch kleinere Blöcke unterteilt worden sind. Heutzutage finden beide Systeme im öffentlichen Leben Verwendung, wobei die Angabe der Adressen im westlichen Sinn häufig nur zu fragenden Gesichtsausdrücken führt.
Dementsprechend abenteuerlich gestaltet sich die Fahrt mit einem Taxi in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, wenn nur der Straßenname bekannt ist. So wird dem Taxifahrer lediglich mitgeteilt, bei welchem größeren Gebäude sich die gewünschte Adresse befindet. Einmal dort angekommen, wird der Fahrer weiter bis zum Ziel dirigiert. Je nach Ausprägung der individuellen Koreanisch-Kenntnisse nähert der Fahrgast sich so in mehr oder weniger konzentrischen Kreisen dem Ort des Begehrens an. Obwohl dieses Verfahren auf den ersten Blick etwas seltsam anmutet, wird das Ziel je nach Verkehrslage in der Regel sehr schnell erreicht – immer unterstützt von der kostenlosen & englischsprachigen Taxihotline.
In China wird der Fahrgast von Zeit zu Zeit mit allen nur erdenklichen, teils ärgerlichen, oft aber auch belustigenden Facetten des dortigen Taxigewerbes konfrontiert. Vorfahrt hat, wer die Hupe zuerst betätigt oder wer bei zeitgleichem Hupen die stärkeren Nerven aufweist. Bei Nacht wird der Nervenkitzel oft noch durch Fahren ohne Licht erhöht. Immer mal wieder nur kurz von dem grellen Aufflammen der Lichthupe unterbrochen, denn: Hupen bei Nacht ist strengstens verboten.
Häufig wird auch die volle Breite der Straße ausgenutzt, wobei es in keinster Weise stört, dass dabei auch gelegentlich die mehrspurige Gegenfahrbahn in die Fahrkünste mit einbezogen wird. Frei nach dem Motto: “Was machen nur all die freundlich hupenden Autos hier?” Der Fahrgast soll schließlich etwas für sein Geld geboten bekommen.
Selten ist auch das Phänomen der Déjà -vus zu beobachten: Obwohl garantiert zum ersten Mal in dieser Stadt, kommt die Umgebung seltsam vertraut vor, v.a. nachdem zum dritten Mal in Folge der immer gleiche ‘Kentucky Fried Chicken’ am Horizont schemenhaft erkennbar wird, nur um dann Minuten später rechts am Beifahrerfenster vorbeizudriften. Ob der Taxifahrer einfach nur die landschaftlich reizvollere Strecke zeigen wollte oder nur den Fahrpreis in die Höhe schrauben wollte, sei dahingestellt.
Auch eine Fahrt vom Bund zum Flughafen von Shanghai-Pudong kann sich schwieriger gestalten als sie dem Vernehmen nach eigentlich sein sollte. Nach drei Stunden Fahrzeit und der wiederholten Mitnahme von Passanten am Wegesrand, die im Tausch gegen eine kurze Mitfahrt auch sicher den Weg zum Flughafen beschreiben können, wird dann auch schon mal am Freihafen von Shanghai entnervt das Taxi gewechselt.
Zu Gute halten sollte der Fahrgast jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, im Taxi liegengelassene Gegenstände nach wenigen Stunden oder Tagen unversehrt und vollständig vom Taxifahrer zurückzuerhalten. Selbst, wenn es sich um Geldbeutel handelt!
Ein Hoch auf die Taxifahrer dieser Welt! Ganbei!

