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Hochchinesisch | Mandarin

Hochchinesisch (auch Mandarin genannt) ist die offizielle Sprache in der Volksrepublik China, Republik China (Taiwan) und Singapur, und wird von über 880 Millionen Menschen auf dem Festland und auf Taiwan gesprochen. Es ist damit weltweit die Sprache mit den meisten Sprechern. Dies ist zu einem großen Teil das Ergebnis von Anstrengungen sowohl der Regierung auf dem Festland als auch der Regierung in Taiwan, Hochchinesisch als Standardsprache des Chinesischen durchzusetzen.

Die offizielle “Definition” der allgemeinen Hochsprache ist: “Die Pekinger Aussprache als Standardaussprache, die Sprache der nördlichen Regionalsprachen als Standardsprache, die Grammatik aus den vorbildlichen modernen baihuawen-Werken als Standardgrammatik.”

Auch die Schreibung des Chinesischen ist weitgehend normiert. Die chinesische Schriftsprache heißt “baihuawen” (etwa: “umgangssprachliche Schrift”), und basiert, anders als die klassische Schriftsprache “wenyan” (etwa: “Schriftsprache”), auf der modernen Umgangssprache. Davor hatten Texte in klassischer Schriftsprache, einer Sprache, die sich völlig von der gesprochenen Sprache entfernt hatte, das höchste Prestige in der Gesellschaft. Die Beseitigung dieser Diglossie-Situation in der chinesischen Gesellschaft, das heißt die Durchsetzung der baihuawen als der primären Schriftsprache erfolgte erst nach dem Sturz der Qing-Dynastie Anfang des 20. Jahrhunderts in Folge von gesellschaftlichen Umwälzungen in der Bewegung des vierten Mai.

Neben dem Hochchinesischen gibt es noch weitere chinesische Sprachen, die oft auch als Dialekte des Chinesischen bezeichnet werden. Diese Darstellung reflektiert vor allem den niedrigen Status, den diese Sprachen besitzen, als auch die Tatsache, daß sie (außer dem Kantonesischen) keine allgemein akzeptierte Schriftsprache haben. Linguistisch unterscheidet man mindestens sechs Sprachen bzw. Dialektgruppen des Chinesischen, die ihrerseits wiederum keineswegs einheitlich sind. Spätestens seit der Gründung der Volksrepublik China wird jedoch das Erlernen der Hochsprache als Zweitsprache propagiert und diese in den Schulen unterrichtet.


Chinesische Sprachen und Dialekte

Chinesische Sprachen und Dialekte




Bezeichnungen

Im Chinesischen selbst gibt es mehrere, in der Bedeutung verschiedene Bezeichnungen für die Standardsprache: Putonghua ( wörtl. „normale Sprache/Dialekt“) ist der in der Volksrepublik China gebräuchliche Name für die Hochsprache, wie sie in den Schulen gelehrt wird und in offiziellen Texten Anwendung findet. In Taiwan wird die Bezeichnung Guóyu verwendet („Nationalsprache“). Daneben ist Hochchinesisch auch eine der vier Amtssprachen in Singapur. Unter den Überseechinesen, besonders in Südostasien, ist Hochchinesisch als huáyu bekannt („chinesische Sprache“).

Beifanghuà (wörtl. ‘Dialekte des Nordens’) dagegen ist der Sammelbegriff für die Dialekte des Nordens, auf denen die Standardsprache basiert. Einzelne Dialekte der Nordregion weisen regionale Unterschiede zur Standardsprache auf, die jedoch geringer sind als bei südlichen Dialekten.

Die in der chinesischen Umgangssprache gebräuchliche Bezeichnung Hànyu (wörtl. „Sprache der Hàn“) wird oft mit “Chinesisch” bzw. “Hochchinesisch” synonym verwendet. Allerdings sprechen nicht alle Han-Chinesen den Standard-Dialekt als Muttersprache. Statt dessen bezeichnet Hànyu alle han-chinesischen Dialekte. So betonen Hakka-Sprecher, dass ihr Dialekt ebenfalls als Hànyu bezeichnet werden solle, da die Grammatik der Hakka-Sprache klassischen chinesischen Texten am nächsten ist.

Die Bezeichnungen Peking-Dialekt (Beijing huà oder Beijing fangyán) oder auch Peking-Chinesisch sind ebenfalls ungenau. Sie werden unter anderem in Taiwan als abwertender Begriff von jenen verwendet, die die Unabhängigkeit Taiwans befürworten und der Meinung sind, dass die taiwan(es)ische Sprache die nationale Sprache Taiwans sein sollte.

Die Bezeichnung Mandarin für die chinesische Sprache ist in älteren deutschsprachigen Publikationen gebräuchlich und wird unter dem Einfluss des Englischen auch heute wieder häufiger gebraucht. Dieses Wort ist abgeleitet vom portugiesischen Wort mandarim (aus dem Malaiischen menteri und dem Sanskrit-Wort mantrin-), welches ‘Ratgeber, Minister’ bedeutet. Das ist die Übersetzung des chinesischen Wortes Guanhuà , das wörtlich als ‘Sprache der Mandarins’ (der kaiserlichen Beamten) zu übersetzen ist. Guanhuà wird von den Chinesen heute als archaisch empfunden, aber es wird von Sprachwissenschaftlern manchmal als Terminus benutzt, der alle Dialekte und Variationen des Nordchinesischen (also nicht nur Putonghuà und Guóyu) einschließt.

Schlussendlich ist im Deutschen, wenn von “Chinesisch” als Einzelsprache die Rede ist, normalerweise das Hochchinesische gemeint.

Standardisierung

Die standardisierten Formen des Hochchinesischen, Putonghuà und Guóyu, verwenden als Basis die Aussprache des Peking-Dialektes ohne seine regionalen Spezifika. Trotzdem gibt es regionale Variationen in der Aussprache, und das aus zwei Gründen:

In dem riesigen geographischen Gebiet, in dem Hochchinesisch Muttersprache ist, zeigen sich Unterschiede, wenn man sich von einem Ort zu einem anderen bewegt. Die Unterschiede lassen sich mit den Dialekten und Akzenten der deutschen Sprache vergleichen.
Menschen, für die Hochchinesisch Zweitsprache ist (d. h. ihre Muttersprache ist eine andere der chinesischen Sprachen), geben ihrer Aussprache einen sehr starken regionalen Akzent. So haben die Einwohner Taiwans eine starke und konsistente Abweichung von dem Hochchinesisch, das die Bildungsbehörden als Standardsprache definiert haben.
Aus offizieller Sicht gibt es zwei chinesische Standardsprachen: Das der Volksrepublik China (Putonghuà, „Standardsprache“) und das in Taiwan (Guóyu „Nationalsprache“). Offiziell beinhaltet Putonghuà Aussprachen aus verschiedenen Regionen, während Guóyu zumindest theoretisch nur auf der Pekinger Aussprache beruht. Zwischen den Wörterbüchern, die in den beiden Chinas herausgebracht werden, bestehen ziemlich große Unterschiede.

Nicht alle Varianten des gesprochenen Hochchinesisch sind überall verständlich. SIL International schreibt:

Die Versionen des Hochchinesischen der Tiefebene von Shaanxi sind für Putonghua-Muttersprachler nicht verständlich. Ebenso ist das Chinesisch von Guilin und Kunming für Putonghua-Muttersprachler schwer zu verstehen.

Entstehungsgeschichte der chinesischen Hochsprache

Es herrscht in China das Bewusstsein, dass die gemeinsame Nationalsprache und die einzelnen Dialekte, beziehungsweise Regionalsprachen in China von der Sprache der Han-Chinesen aus der vorgeschichtlichen Zeit abstammen und damit denselben Ursprung haben.

Die meisten Chinesen, die in Nordchina, Sìchuan und in einem breiten Band von der Mandschurei im Nordosten Chinas bis in den Südwesten (Yúnnán) leben, haben verschiedene nordchinesische Dialekte als Muttersprache. Die Vorherrschaft dieser Dialekte in Nordchina ist auf die großen Ebenen dieser Region zurückzuführen. Im Süden hingegen hat das von Flüssen zerklüftete Bergland die linguistische Diversität gefördert. Dass im bergigen Sìchuan ein nordchinesischer Dialekt gesprochen wird, liegt an einer großen Pestepidemie im 12. Jahrhundert, die die Region entvölkerte. Später wurde sie von Nordchinesen neu besiedelt.

Trotz der auch heute noch herrschenden Sprachenvielfalt in China, kann man in jeder chinesischen Dynastie eine überregionale Sprache benennen, es handelt sich dabei um die Sprachen der Hauptstädte. Es lässt sich jedoch vermuten, dass der Verbreitungsgrad in den einzelnen Gesellschaftsschichten nicht besonders hoch war, und es gab keine systematische Sprachplanung.

Die Hochsprache benutzte eine verhältnismäßig kleine Menge an Beamten, Händlern und herumreisenden Gelehrten. Die Gründe für den Anstieg der Nachfrage der einfachen Bevölkerung nach einer gemeinsamen Nationalsprache werden in dem Anstieg der überregionalen Kommunikation und Mobilisierung nach dem Beginn der Industrialisierung mit dem Einbruch der Westmächte in den Opiumkriegen erst Ende des 19. Jahrhunderts vermutet.

In der Ming-Dynastie und Qing-Dynastie tauchte der Begriff „Guanhua“ (Sprache der Beamten, Mandarin) für die allgemeine Hochsprache auf. Zu dieser Zeit wurde die Hauptstadt nach Peking verlagert, und deshalb gewannen die nördlichen chinesischen Sprachen an Prestige. Deshalb basiert die Guanhua auf den nördlichen Regionalsprachen.

Am Ende der Qing-Dynastie, mit einem erstarken des Nationalbewusstseins nach der Demütigung durch die verlorenen Opiumkriege 1840 und 1856 und den verlorenen Krieg gegen Japan 1894, wurden Forderungen nach einer gemeinsamen Sprache für das Volk laut, die von allen Teilen der Bevölkerung gesprochen und im ganzen Land einheitlich sein sollte.

Einer der ersten Chinesen, die den Begriff „Putonghua“ (zu Deutsch: „Allgemeinsprache“) prägten, war der Linguist Zhu Wenxiong im Jahre 1906. Die Idee einer gemeinsamen Nationalsprache wurden auch von Li Jinxi, Qu Qiubai und Lu Xun unterstützt und nahm konkrete Ausmaße 1913 nach dem Sturz der kaiserlichen Regierung in der von der Beiyang-Regierung abgehaltenen „Konferenz zur Vereinheitlichung der Aussprache“ an, auf der der Aussprachestandard für eine einheitliche Nationalsprache detailliert festgelegt wurde. Wegen eines Streits zwischen nördlichen und südlichen Linguisten entschied man sich zunächst demokratisch für die Pekinger Aussprache noch mit südlicher phonetischer Eigenart, aber 1924 wurde dann entschieden, dass die Pekinger Aussprache die Standardaussprache werden sollte.

Die Bezeichnung „Guoyu“ (zu Deutsch: „Nationalsprache“) für eine Nationalsprache wurde ebenfalls am Ende der Qing-Dynastie eingeführt. Sie wurde von der Beiyang-Regierung und der Regierung der Guomindang verwendet, Taiwan verwendet diese Bezeichnung heute immer noch.

Nach der Gründung der Volksrepublik China wurde auf der „Nationalen Konferenz über Schriftreform“ 1955 weiter über die Verbreitung der chinesischen Allgemeinsprache geredet und unter anderem beschlossen, dass die Bezeichnung „Guoyu“ aus Respekt vor den anderen in China lebenden nationalen Minderheiten vermieden werden sollte, und stattdessen die Bezeichnung „Putonghua“ verwendet werden sollte.

Die Sprachenvielfalt wird insgesamt gefördert, es sollen keine Dialekte ausgemerzt werden. Die Hochsprache wurde aber in Verbindung mit der Hilfs-Lautumschrift Pinyin aus lateinischen Buchstaben auf die Tagesordnung der nationalen Pflichterziehung gehoben. 1982 wurde die Verbreitung der „national gebräuchlichen Allgemeinsprache“ durch den Staat in der chinesischen Verfassung festgesetzt, und die Hochsprache setzt sich damit in weiten Teilen Chinas mehr und mehr durch.

Mit Deng Xiaopings „Reise in den Süden“ 1992 als Schlag gegen die wirtschaftlich konservativen Kräfte und der Eröffnung weiterer Sonderwirtschaftszonen im Süden des Landes kommen auch sehr viele Nicht-Kantonesen aus anderen Teilen Chinas nach Südchina, zum Beispiel Kanton. So wurde es für die Kantonesen trotz der Durchsetzungsfähigkeit ihres Kanton-Dialekts unumgänglich, in verstärktem Maße die Allgemeinsprache zu verwenden.

Hochchinesisch und Peking-Dialekt

Es ist ein häufiges Missverständnis, dass Standarddialekt und der Peking-Dialekt das Gleiche seien. Es stimmt zwar, dass Standardaussprache und Grammatik der Unterrichtssprache Hochchinesisch auf dem Peking-Dialekt aufbauen, jedoch ist der Standarddialekt ein künstliches Idiom, ähnlich wie die deutsche Schriftsprache. In dem riesigen Gebiet von der Mandschurei im Nordosten Chinas bis nach Yúnnán im Südwesten ist es die Muttersprache im weiteren Sinne, aber diese Muttersprachen weichen vom Standard-Chinesisch in Aussprache, Vokabular, Semantik und Grammatik mehr oder weniger stark ab.

Was den eigentlichen Peking-Dialekt angeht, so werden die retroflexen Anlaute (zh-, ch-, sh-, r-) konform zum Standardchinesisch ausgesprochen, aber es wird an die Silbe häufig ein “er” angehängt, häufig als Diminutiv, oder einfach, um Nomina zu kennzeichnen. In anderen Regionen Chinas wird das nicht gemacht, weshalb der Peking-Dialekt als éryin bezeichnet wird. Daneben gibt es eine große Anzahl an Wörtern, die außerhalb Pekings nicht benutzt oder nicht verstanden werden. Darüber hinaus gibt es in Peking, wie auch in deutschen Großstädten, mehr als einen lokalen Akzent.

Mit Ausnahme dieser Beispiele ist die Pekinger Aussprache mit der des Standard-Chinesischen weitestgehend identisch. Man kann allgemein sagen, dass der Unterschied in der Aussprache wächst, je weiter man sich von Peking entfernt. So haben die Einwohner der Stadt Tianjin ebenfalls eine Aussprache, die dem Hochchinesischen entspricht.

Im Nordosten Chinas werden die j-Anlaute häufig zu g-Anlauten oder k-Anlauten; ebenso sprechen die Leute die r-Anlaute anders aus.

In den südlichen Teilen Chinas werden die retroflexen Anlaute des Standard-Dialekts nicht ausgesprochen. So wird zh- zu z-, ch- zu c-, sh- zu s- und r- klingt mehr wie z-, insbesondere bei Sprechern, deren Muttersprache der Min-Dialekt (Taiwan, Shanghai) ist. In anderen Gebieten wird nicht zwischen l und n unterschieden, während in wieder anderen Gegenden die ng-Auslaute wie n-Auslaute gesprochen werden.

Der Standard-Dialekt kennt den „leichten Ton“ für Silben, die zu kurz und unbetont ausgesprochen werden, um einen erkennbaren Ton zu haben. Besonders im Süden werden jedoch alle Silben mit ihren Tönen klar und differenziert ausgesprochen.

Phonologie

Töne

Hochchinesisch ist, wie alle anderen chinesischen Sprachen auch, eine tonale Sprache. Eine Silbe kann einen der vier Töne oder auch gar keinen haben. Ein anderer Ton bedeutet dabei in der Regel einen anderen Sinn, aber eine Silbe kann jeweils nur einen Ton haben, unabhängig von der Gemütsverfassung des Sprechers. Die verschiedenen Töne sind:

Erster Ton (hoher Ton):
Die Tonhöhe ist konstant und hoch. Z. B. “ma” (Mutter).

Zweiter Ton (steigender Ton):
Die Tonhöhe steigt von der unteren bis mittleren in die hohe Tonlage, ähnlich der Intonation einer Frage im Deutschen. Z. B. “má” (Hanf).

Dritter Ton (niedriger oder niedrig-fallend-steigender Ton):
Die Tonhöhe sinkt aus mittlerem Niveau nach unten und steigt in der Regel wieder in das mittlere Niveau. Z. B. “ma” (Pferd).

Vierter Ton (fallender Ton):
Die Tonhöhe fällt scharf nach unten und die Silbe wird kürzer mit mehr Affekt ausgesprochen, vergleichbar mit der deutschen Betonung eines Befehles (z. B. Geh!). Z. B. “mà” (schimpfen).

Der leichte Ton, neutrale Ton, nullte Ton oder fünfte Ton (chin. qing sheng „leichter Ton“) wird häufig extra behandelt: Er klingt kurz und leicht und wird deshalb häufig nicht als ein eigener Ton betrachtet. In den meisten nordchinesischen Dialekten gibt es mehrsilbige Wörter, bei denen die zweite Silbe weniger stark ausgesprochen wird als die erste; siehe oben. Im Pinyin wird dieser Ton durch einen Punkt oder gar nicht markiert.

Die Aussprache der Töne ändert sich nach den Regeln des Tonsandhi. Das häufigste Auftreten des Tonsandhi ist, wenn von zwei aufeinanderfolgenden Silben im dritten Ton die erste Silbe im zweiten Ton ausgesprochen wird. Folgen drei Silben im dritten Ton aufeinander, so liegt es an den regionalen Gewohnheiten und den persönlichen Präferenzen, ob die erste Silbe einen dritten oder zweiten Ton bekommt.

Aussprache

Die Anzahl an Silben im Chinesischen ist verhältnismäßig klein, und jede Silbe wird nach dem Muster (optionaler) Anlaut + Vokal + (optionaler) nasaler Auslaut gebildet. Nicht jede Silbe, die nach diesem Muster gebildet werden könnte, wird tatsächlich benutzt. Deshalb gibt es nur einige hundert Silben (und folglich stark ausgeprägte Homophonie). So gibt es im Hochchinesisch keinen m-Auslaut, wohl aber in anderen „Dialekten“, z. B. im Hakka.

Lehnwörter im Hochchinesischen

Aufgrund der geringen Anzahl zur Verfügung stehender Silben ist es für Chinesen sehr schwierig, Worte auszusprechen, in denen viele Konsonanten aufeinander folgen, wie es in den meisten europäischen Sprachen oft der Fall ist. Dazu kommt, dass es nur für jene Silben Zeichen gibt, die auch wirklich im Chinesischen verwendet werden. Obwohl es ein offizielles System gibt, wie ausländische Wörter in chinesische Zeichen übertragen werden sollen, wird es nur für Namen verwendet, weil es häufig zu verwirrenden Ergebnissen führt. Alternativ können Wörter auch übertragen werden, in dem man versucht, die Bedeutung mit bestehenden Zeichen nachzubilden. Viele Lehnwörter existieren daher im Chinesischen doppelt, einer phonetischen und einer bedeutungsgemäßen Variante, bis sich irgendwann eines der beiden durchsetzt.

So wurde beispielsweise das Wort „Telefon“ in den 1920er Jahren als dalüfeng oder déléifeng übersetzt. Später wurde das in diànhuà („elektrische Sprache“, wobei „elektrisch“ wörtlich „Blitz“ bedeutet) geändert. Andererseits blieb man bei „Mikrofon“ bei màikèfeng, wobei diese rein phonetische Umschrift gar nicht vom konkurrierenden „Sprachrohr“, verdrängt werden mag.

Viele technische Erfindungen sind durch bedeutungsgemäße Übertragung geschaffen worden – das Wort „Zug“ heißt im Chinesischen huoche – wörtlich „Feuerwagen“. Die vielen technischen Begriffe aus dem Lateinischen und Griechischen, die man in den meisten europäischen Sprachen findet, sind im Chinesischen nicht vorhanden.

Es gibt eine Reihe von Zeichen, die nur oder fast ausschließlich für die Umschreibung ausländischer Wörter verwendet werden. Diese Schriftzeichen hatten ursprünglich eine bestimmte Bedeutung, wurden dann aber phonetisch für eine bestimmte Silbe verwendet, zum Beispiel, um buddhistische Begriffe aus dem Sanskrit nachzubilden. Ab einem bestimmten Punkt geriet dann die ursprüngliche Bedeutung in Vergessenheit, und sie wurden nur noch phonetisch verwendet. Einige Zeichen sind auch mit ausschließlich phonetischer Bedeutung neu geschaffen worden. Hierbei handelt es sich um Varianten bestehender Zeichen, denen das Radikal 30 (Mund) angefügt wurde, zum Beispiel das Zeichen ‘a’.

Da wie früher noch andere asiatische Sprachen das Japanische ebenfalls die chinesische Schrift verwendet und das Koreanische chinesische Sememe, ist die Übertragung von Lehnwörtern zwischen dem Chinesischen, dem Japanischen und dem Koreanischen sehr einfach. Die Schreibung in chinesischer Schrift für eine Reihe moderner Begriffe aus Philosophie und Wissenschaft wurde im 19. und 20. Jahrhundert zuerst in Japan geprägt und dann ins Chinesische übernommen. Ein Beispiel ist das moderne Wort für Klassenzimmer. Diese Lehnwörter sind im Chinesischen nur selten als solche zu erkennen, da sie sich ohne weiteres in die Sprache einfügen, und bei manchen Wörtern herrscht ein reger Streit zwischen den Linguisten des jeweiligen Landes, wo es zuerst verwendet wurde.

Umschriftsysteme

Seit Reisende aus dem Westen nach China kommen und versuchen, Chinesisch zu lernen, bestand der Bedarf nach einem phonetischen Umschriftsystem (Romanisierungssystem, Transkription), um die Aussprache der chinesischen Zeichen niederzuschreiben. Mehrere solche Systeme sind seitdem entstanden. Das erste, das eine weite Verbreitung fand, war das nach ihren Erfindern benannte Wade-Giles-System im 19. Jahrhundert. Dieses System wird bis heute benutzt, jedoch nicht in der Volksrepublik China. Man kann es in alten (oder englischsprachigen) Lehrbüchern und Geschichtsbüchern finden.

Im 20. Jahrhundert wurden von Seiten der Sprachwissenschaftler verschiedene Umschriftsysteme eingeführt. Das erfolgreichste dieser Systeme war das Hànyu Pinyin, das 1958 von der Volksrepublik China als offizielles Umschriftsystem für die chinesische Sprache anerkannt wurde. Später entschlossen sich auch die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen, Pinyin zu übernehmen. In den 1950er Jahren, als der Kampf gegen das Analphabetentum geführt wurde, gab es sogar Überlegungen, die chinesischen Zeichen zugunsten von Pinyin abzuschaffen. Dies wurde jedoch aus verschiedenen Gründen wieder verworfen, wie der hohen Anzahl von Homonymen im Chinesischen und der Tatsache, dass die chinesische Schrift für alle „Dialekte“ praktisch gleich ist, während ein Alphabet die großen sprachlichen Unterschiede sicht- und spürbar machen und möglicherweise ein Problem für die Einheit des Staates darstellen würde.

In Taiwan wird eine Reihe von verschiedenen Umschriftssystemen benutzt. Die Regierung der Republik China beschloss 2002 die Verwendung von Tongyong Pinyin, jedoch dürfen die lokalen Regierungen auch andere Umschriften benutzen. In Schulen wird die Aussprache mit Hilfe von Zhùyin gelehrt. Bestrebungen, Zhùyin zugunsten von Pinyin abzuschaffen, sind nicht sehr weit gediehen, weil man keine übereinstimmenden Meinungen darüber hat, welche Form des Pinyin man verwenden sollte, und auch wegen des großen Aufwandes der Umstellung des Lehrmaterials und der Umschulungen für die Lehrer.

Weniger verbreitete oder veraltete Umschriftssysteme sind:

Postal System Pinyin
Yale-Romanisierung
Gwoyeu Romatzyh
MPS II

Die Sprachenpolitik in Bezug auf Hochchinesisch und andere chinesische Sprachen

Zum Missfallen vieler Chinesen, deren Muttersprache nicht Hochchinesisch bzw. der nördliche Dialekt ist, hat die vorherrschende Rolle des Hochchinesischen dazu geführt, dass außerhalb Chinas das Hochchinesische als einzige chinesische Sprache angesehen wird. Obwohl sowohl die Volksrepublik China als auch Taiwan einen standardisierten Pekinger Dialekt zur Amtssprache erklärt haben und sich für die landesweite Verbreitung einsetzen, gibt es Bestrebungen, die örtlichen Sprachen und Dialekte zu erhalten. Das Hochchinesische ist auch weit entfernt, diese zu ersetzen, denn besonders im Süden der Volksrepublik und auf Taiwan werden nach wie vor die dort heimischen Sprachen im täglichen Leben verwendet. Jene, die nur Hochchinesisch sprechen, sind in diesen Gegenden sozial benachteiligt, denn viele Menschen sprechen dort nur sehr schlecht oder gar kein Hochchinesisch; dies trifft vor allem auf alte Leute zu, die jüngeren haben die Standardsprache meist in der Schule gelernt.

In den Regionen der Volksrepublik China, wo mehrheitlich Han-Chinesen leben, ist die Koexistenz zwischen Hochchinesisch und den anderen Sprachen und Dialekten im Allgemeinen problemlos. Hochchinesisch wird als gemeinsame Arbeits- und Kommunikationssprache gefördert, gleichzeitig ist die Führung der Volksrepublik China vorsichtig, was den Status der anderen Sprachen angeht, und will deren Benutzung nicht einschränken. Hochchinesisch wird deshalb vor allem aus praktischen Gründen gelernt und gesprochen, weil es häufig die einzige Möglichkeit der Verständigung zwischen Leuten aus verschiedenen Regionen darstellt. Zuweilen kommt es schließlich sogar vor, dass zwei chinesische Sprachen aus sehr nah beieinander gelegenen Gebieten für die Sprecher der jeweils anderen Sprache nicht verständlich sind.

In der Republik China (Taiwan) ist die Beziehung zwischen Hochchinesisch und den lokalen Sprachen und Dialekten, speziell dem Taiwanischen, bedeutend komplizierter. Nur eine Minderheit der Taiwaner spricht einen nördlichen Dialekt als Muttersprache, selbst unter den nach der Gründung der Volksrepublik nach Taiwan geflohenen Chinesen, diese sprechen vor allem den Min-Dialekt. Dazu gibt es eine ganze Reihe einheimischer Sprachen und Dialekte. Bis in die 1980er Jahre versuchte die Regierung, die Nutzung des Taiwanischen zu beschränken und gab ihm ein Image des Primitiveren. Das Hochchinesische wurde gefördert, um den Anspruch, der rechtmäßige Nachfolger der 1911 gegründeten Republik China zu sein, aufrecht zu erhalten. Dies hat sich in den 1990er Jahren stark geändert, was sich unter anderem in der vermehrten Benutzung des Taiwanischen in Film, Funk und Fernsehen niederschlägt. Extreme Befürworter der Unabhängigkeit Taiwans lehnen das Hochchinesische zugunsten der taiwanischen Sprache ab, so dass die Verwendung des Taiwanischen zunehmend auch eine Frage der politischen Gesinnung ist. Der Grad ihrer Benutzung ist regional unterschiedlich, es ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auszumachen mit Norden (Taipeh) als Hochchinesisch- und Süden (Kaohsiung) als Taiwanisch-Hochburg. Bemühungen, Hochchinesisch als Amtssprache durch Taiwanisch oder einen mehrsprachigen Standard abzulösen, haben bisher aber noch keine Fortschritte gezeigt.

Didaktik des Hochchinesischen

Chinesisch zu lernen wird immer beliebter im Westen. Noch vor zehn Jahren fand man nur schwer jemanden, der sich bemühte, die meistgesprochene Sprache der Welt zu erlernen. Doch heutzutage gibt es immer mehr Schulen, die Chinesisch im Stundenplan etablieren.

Zahlen

Im Jahre 1992 gab es nur 2.000 Schüler, die sich am offiziellen Chinesischem Sprachtest Chinas versuchten. Im Jahre 2005 waren es schon 40.000 Kandidaten, die von Peking aus getestet wurden. Das chinesische Erziehungsministerium schätzt die weltweite Zahl der Chinesischlernenden auf 30 Millionen in Universitäten, Hochschulen, Instituten und Privatunterricht.

Lernweg

In den vergangenen zehn Jahren haben sich auch in China beträchtliche Wandlungen im Sprachunterricht für das Chinesische vollzogen. Die früher gängige Methodik, in drei aufeinander folgenden Phasen chinesisch sprechen und schreiben zu vermitteln, nämlich zuerst die Schriftzeichen lehren, anschließend Lesen üben, dann Aufsätze schreiben, wurde durch neuere Ansätze reformiert, in denen im Unterricht primär das Sprechen in der Hochsprache und die Durchführung von speziell mündlichem Training in den Grundschulen betont wird.

Dies wird vor allem damit begründet, dass im Alltag das Sprechen und das Hörverständnis am wichtigsten sei, fast jeder Mensch könne sprechen und zuhören, aber nicht unbedingt lesen und schreiben. Auch in den Sprachkursen für Europäer geht die Tendenz dahin, stärkeres Gewicht auf die mündlichen Fähigkeiten zu legen, man beginnt mit dem Zuhören und mit dem Imitieren einfacher chinesischer Sätze und führt einfache Dialoge durch.

Das mündliche Training wird in der Volksrepublik China und in nicht-chinesischen Sprachkursen durch das Erlernen der Umschrift Hanyu Pinyin unterstützt. In China wurde diesbezüglich unter der Parole „Zhuyin shi zi, tiqian du xie“ (zu Deutsch: „Mit der Lautschrift die Schriftzeichen lernen und damit früher lesen und schreiben lernen“) der Sprachunterricht in Chinas Grundschulen vorangetrieben. Die Parole steht für den 1982 mit Heilongjiang an der Spitze startenden Reformversuch im Unterricht des Hochchinesischen in Grundschulen. Wenn die Kinder fließend die Hochsprache sprechen können, dann können sie diese auch schnell und einfach mit der Umschrift aus lateinischen Buchstaben fixieren. Dabei wird der Wortschatz nicht durch eine etwa zu geringe Menge an gelernten chinesischen Schriftzeichen in Schranken gehalten.

Beim Leseunterricht werden dann die chinesischen Schriftzeichen nach und nach in den Lese- und Schreibprozess miteinbezogen. Erst wenn die sprachlichen Fähigkeiten sich voll entfaltet haben, wird das Lesen größerer Mengen geübt, und das Konzipieren von Aufsätzen.

Das frühe Erlernen von Hanyu Pinyin hat weiter den Vorteil, dass man die chinesischsprachige Eingabe am Computer später leicht bewältigen kann.

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hochchinesisch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Das obige Bild basiert auf dem Bild "Y-NL400b" aus der freien Mediendatenbank Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist sinolect.org.

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